Rezension: Glut (Hjaldinger-Trilogie Teil 1)

Text: Wiki Aventurica Dennis Rüter

Glut
1. Roman der Hjaldinger-Trilogie (2006)
360 Seiten, davon 322 Seiten Geschichte (2 für eine kurze mythologische Schilderung), 2 für Karten des nordöstlichen Myranor (großer Maßstab mit imperialer und kleiner Maßstab mit hjaldingscher Namensgebung), 2 für Dramatis Personae und 24 für’s Glossar (inkl. Aussprache des Hjaldingschen); 9€
Daniela Knor

Sommer ist die Jahreszeit der Hitze. Die Sonne steht hoch am Himmel, da tut Eincremen und Sonnenschutz Not. Ob Wiese, Strand oder Schwimmbad, irgendwann lässt die Ausdauer nach und verlangt nach einigen SR zur Regeneration. Während dieser Zeit kann bei Bedarf nach dem Körper der Kopf benutzt werden, indem Mann/Frau sich ein Buch zu Gemüte führt. So erfährt entsprechende Person, ob der Mörder diesmal der Gärtner ist, warum Napoleon bei Austerlitz die Russen und Österreicher überlistete – oder wie die Welt der Erdriesin, besser bekannt als Wiki AventuricaDere, aussieht.
Wer von Dere spricht, meint in der Regel Wiki AventuricaAventurien. Den Kontinent gibt es in ersten Ansätzen seit Beginn des Schwarzen Auges, also bald 25 Jahre. Dort leben die zaubernden und singenden Elfen, die kleinwüchsigen, schmiedenden Zwerge, die rauflustigen und trinkfesten Wiki AventuricaThorwaler – aber Moment mal, kamen die Vorfahren der Seefahrer nicht über das Wiki AventuricaMeer der Sieben Winde aus Wiki AventuricaMyranor? Exakt! Dere hat eben mehr als eine große Landmasse.
Und wie genau sich diese eher unfreiwillige Übersiedlung abspielte, erzählt die Hjaldinger-Saga, deren erster Teil bereits erhältlich und deswegen nun Gegenstand meiner dritten Rezension ist.

Cover:

Eine hjaldingsche Otta auf See in Sichtweite einer angedeuteten Metropole des Imperiums – ein treffendes Bild für die Thematik des Buches.

Geschichte:

Vardur Arnarssun, ein junger Hjaldinger, unternimmt seine erste Reise auf einer Otta – einem hjaldingschen Ruderschiff mit Segel für günstigen Wind -, um mit einigen weiteren Mitgliedern seiner Sippe einen Tribut von einem anderen nord-myranischen Volk einzutreiben.
Dort stellt die Mannschaft jedoch fest, dass ein anderer Hjaldinger Mitglieder dieses Volks als Sklaven eingesackt hat und dieses ihnen nun nicht mehr Tribut zahlt. Sie müssen dieses Problem lösen. Gleichzeitig gilt es, eine ausgesetzte und mitgenommene Frau im Auge zu behalten, da diese nicht nur über besondere Kräfte, sondern auch eine Art Wahnsinn verfügt.
Der Konflikt mit dem Imperium, begonnen durch einen hjaldingschen Überfall vor vielen Jahren und vor dem Buch, mit der Eroberung der serovischen Inseln fortgeführt, zieht dann plötzlich drohend am Horizont auf.
Eben dieser ist für die Geschichte jedoch zunächst unwichtig, da erstmal noch ein Frieden zwischen Wiki AventuricaHjaldingern und Wiki AventuricaImperium fortbesteht. Aber schließlich ist Glut auch nur der erste Teil der vermutlich am Ende drei Teile umfassenden Geschichte der Eroberung des Nordens durch das Imperium und die Auswanderung der späteren Thorwaler. Teil 1 spielt vollständig in Myranor, und noch dazu in einer Gegend, die erst noch durch RSH beschrieben werden wird – eine gute Gelegenheit zur (neudeutsch so genannten) Preview, die von Frau Knor auch voll ausgeschöpft wird.
Zumindest Vardur, der Haupt-Akteur des Buches, aus dessen Sicht der größte Teil geschildert wird, hat anfangs (scheinbar?) nichts mit dem großen Konflikt zu tun. Durch die Schilderung des Alltäglichen wird Frau Knor eine gute Grundlage haben, um in Teil 2 und 3 die Auswirkungen des Krieges und dessen Aspekte zu beschreiben und dem Leser nahe zu bringen. Das ihr das gelingen wird, dürfte gewährt sein, wenn sie das Niveau von Teil 1 beibehält.
Dessen Qualität besteht in einer geschickten Verflechtung kleinerer und größerer Geschichten, vor allem der Schilderung einiger der verschiedenen Sippen und die Gründe, warum diese sich nicht gern haben. Der Tribut-Streit macht dabei nur die Spitze des Eisbergs aus. Leider erfordert es der Gedanke einer Trilogie, dass zunächst erstmal kräftig aufgebaut wird, denn der Spannungsbogen soll sich ja über drei Bücher strecken. Andere Autoren decken zumindest ein bestimmtes Rätsel am Ende jedes Romans auf, ohne gleich die große ‚Offenbarung‘ zu liefern, was hier nicht passiert. So bleibt nach Teil 1 das Warten – hoffentlich nicht zu lange.
Auch dieses Werk besitzt verschiedene Blickwinkel, wobei mir der des plötzlich auf die ‚barbarische‘ Seite wechselnden Jungen nicht gefallen hat – hier hätte ein weiteres Kapitel gut getan, um dieser Person mehr Tiefe zu geben. Der Schluss enttäuscht geradezu mit der unglaublichen Dreistigkeit, mit der ein kleines Schiff einer ganzen Flotte entkommt. Das Imperium steht mal wieder als Trottel da, und das nur wegen einer Rune. Da wäre weniger mehr gewesen, zumal die Hjaldinger vorher schon mächtig Schwierigkeiten nur durch einen (also 1) Wiki AventuricaShakagra hatten. Insgesamt macht die Geschichte aber einen runden Eindruck.

Charaktere:

Frau Knor vermeidet es klugerweise, das Volk der Hjaldinger einfach nur auf axtschwingende Seefahrer zu reduzieren, die offenbar keine (Groß-)Städte bauen. Die Hauptcharaktere haben ihre eigenen Geschichten und Beweggründe, und zumindest sie bleiben damit im Gedächtnis haften: Vardur, der Frischling und Waise, die Anhalterin mit der ‚Besessenheit‘, ein hochrangiger imperialer Charakter und der gemeine Sklavenfänger ohne Skrupel. Wir werden sehen, ob die gute Frau Knor in der Lage sein wird, den grundsätzlich bekannten Plot durch die Charakterentwicklung interessant zu gestalten, denn in Teil 1 entwickeln sich die Personen noch nicht groß. Dies wird allerdings für die Einigung der Nordleute notwendig sein.

Schauplätze:

Imperium und der Norden werden (zumindest entlang der Nordostküste) geschildert. Dem Leser wird so ein guter Eindruck von Unterschieden vermittelt, die zwischen den dörflichen Nordleuten und dem Reich der Städte bestehen. Auch die Wahl übernatürlicher Mittel wird beleuchtet. Vielleicht hätte noch etwas mehr geschildert werden können, z. B. wie die Hjaldinger ihre Alten betreuen und ob das einfache Volk da oben früher oder später stirbt als ein gewöhnlicher ‚Niederer‘ des Imperiums.

Wiedergabe Myranors im Buch:

Dieser Plot könnte unmöglich auf Aventurien spielen, denn er behandelt (zumindest sicher in Teil 2) langfristig die Eroberung und Flucht der Hjaldinger. Es gibt unter anderem Einblicke in die unterschiedlichen religiösen Vorstellungen, die bei den Nordleuten eher in Richtung Wiki AventuricaSumu-Verbundenheit und Wiki AventuricaEfferd-Respekt gehen (aber Walfang wird noch betrieben), während im Imperium um 2100 IZ fleißig Wiki AventuricaCharypta geopfert wird. Ein paar mehr Besonderheiten hätten aber ruhig vorkommen können. So erscheint der Norden Myranors dem Aventurischem vielleicht ähnlicher, als er ist – Wiki AventuricaBaramunen kommen nicht vor und Shakagra nur am Rande.

Fazit:

Cover: 5 von 5 Sternen
Story: 4 von 5 Sternen
Charaktere: 4 von 5 Sternen
Schauplätze: 3 von 5 Sternen
Wiedergabe Myranors: 4 von 5
Gesamt 4 von 5 Sternen (5 ist die Bestwertung)

Guter Myranor-Roman, dessen größte Schwäche vielleicht ist, dass er Teil mehrerer Bände sein soll, die aber noch nicht mal geschrieben sind, während hier nur die Absicht des Imperiums geklärt wird und die andern, echten Rätsel offen bleiben. Aber es gibt missglücktere Einstiege in Trilogien, auch von viel bekannteren Autoren.

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